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Von Austen bis Zusak |
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Hier gibt es Buch-Tipps von mir:
AUSTEN, JANE: STOLZ UND VORURTEIL
Das schönste Lehrbuch der Welt verpackt in einen hinreißenden Roman. Verschiedenste Charaktere werden bildhaft und im besten Sinne sensibel beschrieben in ihrer Suche nach Lebenszufriedenheit. Das Buch überrascht immer wieder, bringt zum Lachen, zum Weinen, zum Nachdenken. Sicher eines der zehn besten Bücher, die ich las (erstmals erschienen 1813).
BACHMANN, INGEBORG: ANRUFUNG DES GROSSEN BÄREN
Wiedergelesen. Bachmann schöpft neben Arno Schmitt vielleicht die schönsten Worte und Wendungen: "Karfunkelfee", "Wölfe mit den Fixsternblicken", "Wolkenpelztier", "Sternenkrallen", "Erdplan", "Rosenlicht", "Totental" ... - Die Texte sind zum teil ernst und traurig. Die Schönheit von Bachmanns Sprache schafft es zauberhafterweise, einen auch mit traurigen und ernsten Botschaften ein Stück zu versöhnen. Spaß macht manchmal die Rhythmik der Texte, und zudem: Dass sie, obwohl vor über 50 Jahren entstanden, aktuell sind (erstmals erschienen 1956).
BECKER, ZDENKA: GOOD BYE, GALINA
Sprachlich schöne, gesellschaftlich, sozial und politisch engagierte, aber auch niemals unangenehm betroffen machende Erzählungen der hierzulande noch nicht angemessen bekannten österreichischen Dramatikerin, Lyrikerin und Erzählerin Zdenka Becker. Ich habe mich immer wieder wiedergefunden in Gefühlen ihrer Figuren und die lebendige Sprache von Becker genossen (erstmals erschienen 2001).
BELLI, GIOCONDA: ICH BIN SEHNSUCHT VERKLEIDET ALS FRAU
Lyrik. Die früheren Gedichte von Belli mag ich lieber, denn sie sind nicht so verquatscht wie diese hier. Trotzdem: Es sind schöne Texte dabei, ich mag die Sinnlichkeit ihrer Poesie, vielleicht niemand beschreibt so herrlich den Genuss von Schokolade und Männern wie Belli (Erschienen erstmals 2003).
BERNHARD, THOMAS: HOLZFÄLLEN
Ein Buch für alle Menschen, die Menschen manchmal hassen. Für die, die Bürgerlichkeiten nicht ertragen, gepflegte Zusammenkünfte nicht ertragen, Smalltalk nicht ertragen und trotzdem nicht ganz alleine sein können. Ein Buch für alle Neurotiker, Misanthropen, Bürgerkinder (erschienen erstmals 1984).
BONNÉ, MIRKO: DER EISKALTE HIMMEL
Sprachlich wunderschöner Abenteuerroman über eine Expedition zum Südpol Anfang des 20. Jahrhunderts. Ich habe die Reise der Mannschaft und der Schlittenhunde an Bord eines Segelschiffes und später an Land bzw. auf Eis immerwieder in meinem Atlas verfolgt. Wenn das nicht mal ein Buch ist, bei dem man nebenbei auch noch spielerisch was Lernen kann ... (erstmals erschienen 2006)
CAPOTE, TRUMAN: SOMMERDIEBE
Dieses Buch, Capotes lange verschollenes und nun entdecktes Romandebüt, wurde überall so hochgelobt, dass ich mich nach dem Lesen erst mal gefragt habe, ob das jetzt alles gewesen sein kann. - Jetzt, ein paar Monate später, merke ich aber in manchen Momenten, dass auch von diesem Buch etwas in mir übrig geblieben ist: eine geheimnisvolle Leichtigkeit, eine Ahnung von Freiheit, Verliebtheit, Unbeschwertheit ... (erstmals erschienen 2006)
CARVER, RAYMOND: WOVON WIR REDEN, WENN WIR VON LIEBE REDEN
Diesen Autoren haben mir diverse Autoren empfohlen. Entsprechend hatte ich mal wieder hohe Erwartungen, und die sind mal wieder enttäuscht worden. Was sind denn das für bescheuerte Erzählungen? Na ja, so viel Emotion verdienen sie nicht. Mir kam es vor, als erzähle ein Halbtoter aus dem Leben Halbtoter. Das ist weniger spannend, als sich das hier lesen könnte. Diese Geschichten stellen keine Fragen, und damit sind sie schon tot. Enttäuschend.
DALIBOR: SCHULWEGE
"überfliegen - kann man ozeane / anblättern - wird sich laub im herbst / kurz mal durchsehen - möchte man blusen" - Diese Zeilen stellt Dalibor seinem Gedichtband voran. In dem finden sich viele wunderbare Zeilen. Und vielleicht nur eine unwahre: "ich kann euch nichts auf den weg mitgeben" - Mir hat Dalibor mit seinen Texten zum Beispiel folgendes mit auf den Weg gegeben: Das Wissen um einen zeitgenössischen Autoren, der die Sprache spannender herausfordert als jeder preisbehangene deutsche Durchschnittslyriker; das Wissen um einen zeitgenössischen Autoren, der so Hochintelligentes wie Empfindsames schreibt; die Frage danach, ob Schmerz die Bedingung für Weisheit ist (erstmals erschienen 2006; zu beziehen über www.jamesandwarrington.com).
DISCHE, IRENE: LOVES. LIEBEN
Irene Dische schreibt unerwartete Geschichten über Liebe. Eine lässt einen staunend und kopfschüttelnd zurück, eine andere erschüttert, und jede für sich ist wunderlich. Dische erzählt die härtesten Fakten der Liebe farbig und leicht. Das macht ihr Buch besonders.
DURAS, MARGUERITE: DER SCHMERZ
Dieses Buch hat mich bewegt. Eine Frau wartet darauf, dass ihr in einem deutschen KZ gefangener Mann nach Hause kommt. Sie kommt fast um vor Angst um ihren Mann. Als er endlich entlassen wird, verwandelt sich ihre Liebe und Sorge in Kälte, Distanz. Schrecklich und menschlich.
Dieses Buch muss lesen, wer auch "Leibhaftig" von Christa Wolf gelesen und geliebt hat (Erstmals erschienen 1985).
DUVE, KAREN: TAXI
Eine sehr junge Frau wird Taxifahrerin und kurvt durch das Hamburg der 80er Jahre. Sie lernt nicht nur abstruse Menschen kennen, sondern wird selbst ein wenig abstrus. Sehnsucht, Einsamkeit, Eigenwilligkeit. Ekel, Liebe, plötzlicher Mut. Und Erwachsenwerden. Das sind die Themen des Buches. Duves „Regenroman“ fand ich eventuell etwas besser, aber auch dieses Buch hat mir sehr gefallen, nachdem ich die ersten fünfzig eher einführenden Seiten überstanden und den zwar teils phantasievollen, aber dennoch unbefriedigenden Schluss verziehen hatte (erstmals erschienen 2008).
ENDE, MICHAEL: DER SPIEGEL IM SPIEGEL. EIN LABYRINTH
Wiedergelesen. Diese wundersamen, berührenden und poetischen Geschichten von Ende bewegen sich zwischen Märchen, Gleichnis und 'Fantasy' im besten Sinne. Absolut lesenswert!
FLENTER, KERSTEN: GLÜCKSELIGE WAISEN DER VERWIRRUNG
Der neue Gedichtband des Hannoveraner Schriftstellers Kersten Flenter ist im Gegensatz zu viel anderer zeitgenössischer Lyrik nicht blutleer und langweilig. Denn bei Flenter geht es ums Ganze, ums Leben, und das farbenfroh und manchmal charmant, zumeist aber dringlich. Das macht die Texte so lebendig. Plötzlich fragt man sich beim Lesen, ob man selber schon ein paar Kompromisse zuviel gemacht hat beim Erwachsenenwerden.
Flenter gibt keine langweiligen Antworten, sondern zeigt Ambivalenzen auf - innerhalb des lyrischen Ichs und im Zwischenmenschlichen. Immer wieder geht es um Wünsche - und den Versuch, sie sich zu erfüllen und dabei Mensch zu bleiben.
GAPONENKO, MARJANA: FREUND
Große Lyrik. Zumeist über die Liebe. Diese texte sind so tief wie das Weltmeer. Man will in ihnen ertrinken, für immer ... Für mich ist Marjana Gaponenko die wichtigste weibliche Lyrik-Entdeckung der letzten Jahre. Diese stimme wird Jahrhunderte überleben. Und ich bin gespannt, was noch kommt von der erst 1981 in Odessa geborenen, wunderschönen Autorin (erstmals erschienen 2002. Online zu beziehen über die Galerie Pirschke).
GEIGER, ARNO: IM REGEN
Dieses Bändchen versammelt zwei Erzählungen von Geiger. Die erste erzählt von einer Frau, die ihren Mann nicht loslassen kann, obwohl er längst eine andere Frau hat. Die zweite erzählt von einem erwachsenen Mann, der sich, als Flucht aus seinem unerfüllten Leben, bei Verwandten einnistet. Beide Erzählungen überraschen und machen Spaß, selbst wenn das, was geschieht, bitter und kauzig ist. Was macht Geiger so eigen? - Vielleicht seine wunderbare Art, das, was in Menschen geschieht zu verbinden mit dem, was in der Natur geschieht. Ein Wechselspiel von Gedeihen und Verderben auf zwei Ebenen.
GÖRITZ, MATTHIAS: POOLS
Lyrik. Lyrik, weit wie ein Sommerhimmel. Geistige Weite, menschliche Sehnsucht, berührende Bedürftigkeit treffen sich. Was entsteht, wirkt metaphysisch. Ich habe mich sehr gefreut über diese Entdeckung, da mich viel der aktuellen deutschen Lyrik langweilt und verständnislos zurücklässt (Erschienen 2006).
HANDKE, PETER: WUNSCHLOSES UNGLÜCK
Das erste Buch, das ich von Handke las, der sich politisch ja öfter einmal streitbar äußert und auf mich schon ein wenig wunderlich wirkte.
Handke erzählt vom Leben und Sterben einer Nachkriegsfrau, die zu sich selbst finden will, aber in Zwängen hängenzubleiben scheint. Das Buch hat mich tief berührt, da es mich an Frauen erinnert hat, die ich kenne. Ein Leben zwischen Einsamkeit und Pflichterfüllung wird erzählt, und es handelt sich vielleicht um das beste von einem Mann geschriebene Buch über ein Frauenleben, das mir bisher begegnet ist. Pflichtlektüre für alle, die sich heute noch über Frauen wundern und ärgern, die den Weg zu sich selbst nicht zu schaffen scheinen. Das Schöne an dem Buch: Es schärft nicht nur den Blick für gesellschaftliche Strukturen in den Nachkriegsjahrzehnten, sondern lässt auch Mitgefühl wachsen (erschienen erstmals 1972).
HEIN, JAKOB: VIELLEICHT IST ES SOGAR SCHÖN
Es geht um die Krankheit und den zu frühen Tod der geliebten Mutter. Ich mag die Bescheidenheit und Ehrlichkeit von Jakob Heins Protagonisten. Schon "Formen menschlichen Zusammenlebens" hat mir sehr gefallen. Jakob Heins Figuren scheinen auf eine wunderbare, fast beneidenswerte Art menschlich. Wer noch nichts gelesen hat von Jakob Heins Vater Christoph Hein, sollte das unbedingt nachholen: "Der fremde Freund/Drachenblut“ (1982) ist bestens (erschienen 2004).
HENNIG VON LANGE, ALEXA: WOHER ICH KOMME
Ich konnte unerwartet mit meinen Vorurteilen aufräumen, als mir dieses Buch in die Hände fiel. Alexa Henning von Lange ist weder Popautorin noch oberflächlich. In diesem Buch geht es um eine Familie, um Einsamkeit, um ein Unglück ... ich fand das Buch so gut, dass ich gleich noch eins von ihr gelesen habe (erstmals erschienen 1999).
HENNIG VON LANGE, ALEXA: WARUM SO TRAURIG
Es geht um eine Liebesbeziehung und zuviel synthetische Drogen. Wer in den 90ern jung und unsinnig war, dem kommt das vielleicht vertraut vor. Die Protagonistin bleibt nur auch als Erwachsene in dieser Welt hängen, und das führt zu Problemen, Einsamkeiten, Traurigkeiten, die die Liebesbeziehung belasten. "Woher ich komme" hat mir etwas besser gefallen, aber dieses Buch ist in jedem Fall auch lesenswert (erschienen 2005).
HENSEL, JANA/ RAETHER, ELISABETH: NEUE DEUTSCHE MÄDCHEN
Ein Buch über Frauenleben. Ein gutes Buch! Zwei Autorinnen, die heute um die 30 sind, beschreiben, wie schwer es weiterhin ist, als Frau den eigenen Weg zu gehen trotz aller Emanzipation. Dieses Buch berichtet sehr persönlich von zwei gutsituierten Häschen. Das soll nicht abwertend klingen, gutsituierte Häschen sind etwas Schönes. Und gutsituierte Häschen müssen auf ihre manchmal sehr berührende Weise um Liebe, Zufriedenheit und Selbstgefühl kämpfen.
Ich fand das Buch einwandfrei, so gut, dass ich es gerne auch allen Männern ans Herz legen möchte, die die Ängste und Sehnsüchte von heutigen Frauen mit Häschenfell etwas tiefergehend verstehen möchten (Erschienen erstmals 2008).
KEHLMANN, DANIEL: DIE VERMESSUNG DER WELT
Ja, dieses Buch ist gut. Es geht nicht tief ans Herz, aber das muss ja nicht jeder Roman. Statt dessen gibt's gelegentlich etwas zu lachen, öfter etwas zu schmunzeln und dazu ... eine gewisse Aufklärung über die Welt vor 200 Jahren und das, was die Menschen damals (noch nicht) wussten. Wir erfahren, wie Alexander von Humboldt die Welt bereist und zum Beispiel endlos Pflanzen sammelt und in die Heimat schicken lässt, und wir erfahren, wie Carl Friedrich Gauß, Mathematiker und Astronom, Formeln findet und Grundlagen unserer Welt entdeckt, auf denen noch unser heutiges Wissen beruht. Zwei Männer, die unser Weltverständnis mit geprägt haben, werden also von Kehlmann porträtiert - gestört hat mich persönlich nur ein paar mal, nicht zu wissen, was der Autor dazu erfunden hat und was auf historischen Tatsachen beruht (erstmals erschienen 2006).
KIJOWSKA, MARTA: POLEN, DAS HEISST NIRGENDWO
Ein phantastisches, unterhaltsam geschriebenes Sachbuch über die polnische Literatur und polnische LiteratInnen (Erschienen erstmals 2007).
KONECNY, JAROMIR: HIP UND HOP UND TRAUERMARSCH
Dieses immerhin 250 Seiten starke Buch, eigentlich für Jugendliche geschrieben, habe ich an einem Tag durchgelesen und dabei geweint und gelacht - wenn ich es kurz weggelegt habe, habe ich über das Gelesene nachgedacht. Es geht um den Buben Bejb und die Pubertät, gleich zwei erste Lieben, den ersten Sex, den ersten Rausch, und um die erziehungsberechtigte Oma von Bejb, die sich auf eine Art verhält, die kein Jugendlicher dieser Welt jemals wird ertragen können ... das macht es manchmal wirklich spaßig. Die 13jährige Tochter einer Freundin von mir hat dieses Buch auch gelesen und gemocht, und damit erhält es hiermit den Stempel: Erwachsenen- und jugendlichentauglich. Dass es nebenbei auch um Poetry und Hip Hop geht, hätte ich jetzt fast zu erwähnen vergessen, dabei ist diese Ebene des Buches natürlich auch interessant (erstmals erschienen 2006).
LELORD, FRANCOIS: HECTORS REISE ODER DIE SUCHE NACH DEM GLÜCK
So schlecht, wie Dennis Scheck das Buch in seiner sendung "Druckfrisch" bewertet hat, ist es meiner Meinung nach nicht. Wer sich fragt, auf was wohl alles zu achten sein könnte, um Glück, mehr Glück zumindest, zu empfinden, der kann durchaus zu diesem Buch greifen. Die Geschichte ist unterhaltsam, die Sprache einfach (so einfach, dass es mich manchmal leicht gestört, aber nicht vom Weiterlesen abgehalten hat). Der Psychoanalytiker Hector sammelt auf einer großen Reise Erkenntnisse zum Thema Glück. Zumindest eines dieser Erkenntnisse hat mich zu weiterem Nachdenken über mein glück veranlasst. - Ich habe danach auch noch das Buch gelesen, in dem Hector sich mit dem Thema Liebe beschäftigt, den genauen Titel des Bandes habe ich vergessen. Fand ich auch nicht schlecht, "Hectors Reise oder die Suche nach dem Glück" hat mir aber besser gefallen (erstmals erschienen 2002).
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